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Funktionaler Analphabetismus in Deutschland

Millionen Menschen in Deutschland können nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen, obwohl sie das deutsche Schulsystem durchlaufen haben. Oft bezeichnet als funktionale Analphabeten oder auch Personen mit mangender Grundbildung haben sie zunehmend Schwierigkeiten, die immer komplexeren Anforderungen des Arbeitsmarktes, aber auch der persönlichen Lebensführung zu erfüllen.

Stigmatisierung und Ausgrenzung von der gesellschaftlichen Teilhabe sind die Folge. Fehlende Grundbildung führt zu einem höheren Armutsrisiko und erschwert die Integration in den Arbeitsmarkt, da sie eine erfolgreiche Teilnahme an beruflichen Qualifizierungsangeboten verhindert.

Die Zahl der funktionalen Analphabeten in Deutschland ist deutlich höher als bisher angenommen. Nach einer Studie der Universität Hamburg, die am 28. Februar 2011 in Berlin vorgestellt wurde, sind 14 Prozent der Deutschen zwischen 18 und 64 Jahren von "funktionalem Analphabetismus" betroffen. Das sind 7,5 Millionen Menschen im erwerbstätigen Alter. Bislang sind Experten von vier Millionen Analphabeten ausgegangen.

Dies bedeutet: 14 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung können zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, nicht jedoch zusammenhängende - auch kürzere - Texte. Zu einer angemessenen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind diese Personen demnach nicht in der Lage, schreiben die Autoren der Studie.

Für die Studie befragt wurden mehr als 8000 Personen. Von funktionalem Analphabetismus sind vor allem Menschen ohne Schulabschluss oder mit unterem Bildungsabschluss betroffen. Sie machen fast 70 Prozent aus. Erstaunlich dabei ist die hohe Anzahl Erwerbstätiger, die nicht richtig lesen und schreiben kann: So haben knapp 60 Prozent der Menschen, die als funktionale Analphabeten gelten, einen Job.

Auch in anderen Ländern der EU gibt es einen hohen Anteil an funktionalen Analphabeten. So wurden in Großbritannien 16 Prozent der Erwerbsfähigen gemessen, die nicht lesen und schreiben können. In Frankreich wurden neun Prozent ermittelt, jedoch wurden dort nur Menschen mit Schulabschluss befragt. In Österreich existiert noch keine Studie über die tatsächliche Zahl der Analphabeten. Laut einer Schätzung der Volkshochschulen verfügen aber rund 600.000 erwachsene Österreicher nicht über ausreichende Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse.
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Weitere Informationen zum Thema:

Pressemitteilung Bundesministeriums für Bildung und Forschung 28.2.2011 (114 kB)

leo. – Level-One Studie. Presseheft. Hamburg, im Frühjahr 2011 (6305 kB)